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Tischtennis - Spielweisen und Spieltaktik

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3. Spielweisen und Spieltaktik

Man kann auf verschiedene Weisen versuchen, Gewinnpunkte zu erkämpfen. Prinzipiell kann man offensiv, allround oder defensiv spielen. Ein auf Sicherheit und Platzierung ausgelegtes Offensivspiel nennt man Allroundspiel. Heute haben wir es meist mit Offensivspielern zu tun: Man versucht den Gegner durch offensive, mit Vorwärtsrotation versehene Schläge (Spin: Topspin, Sidespin …) und Schüsse zu Fehlern zu verleiten. Ist dieser auch offensiv eingestellt, dann versucht er durch tischnahes Blocken (Wilfried Lieck und Olga Nemes waren darin Meister), Gegenspin oder Schüsse zu antworten. Durch Einführung der Zweifarbenregel für Schlägerbeläge 1986 sind die reinen Abwehrspieler in höheren Klassen kaum noch anzutreffen, da die Angriffsspieler den Drall schon durch die Farbe des Belages abschätzen können und sofort schmettern. Legendäre Vertreter dieser Spielweise waren Eberhard Schöler, Engelbert Hüging und John Hilton. Eberhard Schöler gelang es sogar, in die Phalanx der Angreifer einzudringen und verfehlte 1969 nur knapp den Weltmeistertitel. Die mit den neuentwickelten Antitopspin-sowie Langnoppenbelägen operierenden Hüging und Hilton konnten nur lokale Erfolge erzielen (Deutscher-und Europameister). Vor und nach Schölers Erfolg dominierten nur noch bis auf eine Ausnahme aggressive Offensivspieler. Bei den Weltmeisterschaften 2003 in Frankreich trat der Koreaner Joo Se-Hyuk mit einer explosiven Mischung aus aggressivem Angriffsspiel und recht spektakulärer Defensive auf. Er verlor erst im Finale gegen den Österreicher Werner Schlager. Joo Se-Hyuk und der eingebürgerte Österreicher Chen Weixing spielen eine moderne Defensive.

3.1 Spieltechniken
  • Spin: Durch eine geeignete Schlagtechnik in Verbindung mit dem entsprechenden Schlägermaterial (griffige Beläge) versetzt man den Ball in Rotation (Vorwärts-, Rückwärts- oder Seitendrall). Gebräuchlich sind im Offensivbereich die Begriffe Topspin oder Treibball, im Defensivbereich Unterschnitt (Rückwärtsdrall) oder Ballonverteidigung (Vorwärtsdrall). Interessanterweise wird bei Vorwärtsdrall häufig von „Spin“, bei Rückwärtsdrall meist von „Schnitt“ gesprochen, obwohl beide Begriffe ursprünglich nur den Drall des Balles – gleich welcher Richtung – bezeichnen.
  • Topspin: Der Ball wird mit einer extrem schnellen Aufwärtsbewegung gestreift – fast ohne Vorschub. Die entstehende Vorwärtsrotation (vom schlagenden Spieler aus gesehen) gibt dem Ball eine nach unten gekrümmte Flugbahn und lässt ihn beim Auftreffen auf dem Tisch flacher als normal abspringen. Da die Flugbahn kürzer ist als bei einem „normalen geraden“ Schlag, kann der Ball mit höherer Vorwärtsgeschwindigkeit geschlagen werden, ohne dass der Ball über die hintere Tischkante ins Aus geht. Auch springt der Topspin vom gegnerischen Schläger wegen des extremen Dralls stark nach oben ab – kann also nur mit stark nach vorn geneigtem Schläger nah geblockt oder weit hinter der Platte mit Unterschnitt zurückgespielt werden. Der Topspin ist einer der wichtigsten Angriffsschläge im Tischtennis.
  • Unterschnitt: Der Ball wird mit einer extrem schnellen Abwärtsbewegung und wenig Vorschub gestreift. Er erhält so eine rückwärts gerichtete Rotation (vom schlagenden Spieler aus gesehen). Die Flugbahn verlängert sich. Die Vorwärtsgeschwindigkeit ist gering und wird durch die Rückwärtsrotation beim Auftreffen auf den Tisch noch weiter verringert. Dieser Schlag wird zum Erwidern eines Spinballes benutzt, um das Spiel zu verlangsamen sowie schnelle Angriffsbälle zu erschweren, entweder durch die flache Platzierung des Balles oder durch starke Rotation, die den Ball vom Schläger des Gegners nach unten abspringen lässt und damit schnelle Bälle unmöglich macht, da der Ball nur mit wenig Vorschub und maximalem Topspin gespielt werden muss.
  • Sidespin: Eine Variante von Topspin mit Seitenschnitt. Der Ball wird mit einer tangentialen Schlägerbewegung gestreift – mit mehr oder weniger horizontaler Komponente. Dadurch erhält der Ball eine mehr oder weniger seitwärts gerichtete Rotation. Dieser Ball wird hauptsächlich als Not- oder Aufschlag eingesetzt, da durch die komplizierte Bewegung der Drall begrenzt ist und die größten Effekte sich dadurch ergeben, dass der Ball seitlich wegspringt oder bei niedriger Geschwindigkeit durch seine Flugbahn um das Netz herumgespielt werden kann.
  • Schuss: Auch „Kernball“ oder „Schmetterball“ genannt, der Ball wird im höchsten Punkt auf die gegnerische Tischseite mit einer sehr gestreckten, fast geraden Flugbahn hart geschlagen. Diese Technik beruht – unter weitgehendem Verzicht auf Spin – rein auf dem Schlägervorschub. Die rotationsbedingten Winkelabweichungen des Rückschlages werden allein durch den Schlägerwinkel korrigiert. Heutzutage werden auch hoch abspringende Topspins schon in der aufsteigenden Phase mit voller Kraft bei leicht geschlossenem Schlägerblatt „geschossen“, sobald der Ball eine Höhe erreicht hat, aus der die gegnerische Tischseite direkt zu treffen ist. Dies dient dazu, maximalen (Zeit-)Druck auf den Gegner auszuüben, weil der Ball früh getroffen wird und hohe Geschwindigkeiten erreicht.
  • Ballonabwehr: Der Spieler steht weit hinter dem Tisch und spielt den Ball extrem hoch mit Topspin oder variablem Sidespin zurück. In der Regel versucht der Spieler so, wiederholte harte Topspins oder Schüsse abzuwehren. Diese Technik verwenden oft Angriffsspieler mit sehr schnellen Belägen, die die Unterschnitt-Verteidigung nur schwer zulassen, wenn sie in die Defensive gedrängt werden.
  • Block: Möglichkeit, einen Topspin abzuwehren: Der Spieler steht dicht am Tisch und versucht den Ball gegen den stark geschlossenen Schläger springen zu lassen, ohne diesen nennenswert zu bewegen; dies bewirkt eine Verlangsamung und Spinumkehr des Balles. Dabei nutzt er die lange Topspin-Bewegung des Gegners, um durch gute Platzierung des Balles den Punkt zu erzielen. Als Variante gibt es den aggressiven Block, auch Konterball genannt, bei dem der Schläger nicht passiv gehalten wird, sondern – um den Gegner unter Druck zu setzen – eine kurze drückende Bewegung nach vorne gemacht wird.
  • Konterball: Gerader, spinarmer Ball mit mittlerer bis hoher Geschwindigkeit. Wird von europäischen Spielern fast nur noch zum Einspielen genutzt. Für die asiatischen Penholder-Spieler früherer Jahre sowie Milan Orlowski, die mit wenig griffigen Noppen-außen-Belägen ausschließlich nahe am Tisch operierten, stellte er jedoch das bevorzugte Spielgestaltungsmittel dar, da die Ballwechsel extrem kurz und schnell ausgeführt werden können. In der Weltspitze hat sich heute jedoch auch unter den Penholdern der Topspin als spielbestimmende Schlagtechnik durchgesetzt, da durch Materialweiterentwicklung und Frischkleben tischnahe Block und Konterbälle fast unmöglich geworden sind.
  • Flip: Ball, der über dem Tisch mit einer Kippbewegung aus dem Handgelenk gespielt wird. Der Flip wird auf Unterschnittbälle gespielt, die zu kurz und zu flach sind für Topspin bzw. Schuss. Der Flip wird insbesondere für den aggressiven Rückschlag (Aufschlagannahme) verwendet. Entscheidend ist die Platzierung, die schnelle Topspins des Gegners verhindern soll. Ein Flip ist also ein Mini-Topspin.
  • Schupfball: Unterschnittball, der über dem Tisch gespielt wird. In höheren Klassen wird er beinahe nur noch als sicherer Rückschlag auf schwierige Aufschläge oder starke Unterschnittbälle verwendet. Selbst moderne Abwehrspieler streben (zumindest bei eigenem Aufschlag) an, möglichst als erster „anzuziehen“ (auf Topspin-Spiel zu wechseln), um dem Gegner die Initiative zu nehmen.


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