Die Qualifikationsphase für die olympischen Badmintonwettbewerbe hat begonnen. Für die Spitzenspielerinnen und –spieler des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) haben die nun folgenden zwölf Monate eine ganz besondere Bedeutung: In dieser Zeit (genauer: bis zum 29. April 2012) gilt es für sie, möglichst viele Punkte für die Weltrangliste zu verbuchen, um sich über die daraus resultierende Platzierung im Ranking des Badminton-Weltverbandes BWF einen Startplatz bei den Badmintonwettbewerben im Rahmen der Olympischen Spiele 2012 in London (27. Juli bis 12. August 2012) zu sichern. Das olympische Badmintonturnier wird zwischen dem 28. Juli und dem 4. August 2012 in der Wembley Arena ausgetragen, in welcher nahezu exakt ein Jahr zuvor, nämlich vom 8. bis zum 14. August 2011, auch die Individual Weltmeisterschaften 2011 stattfinden (vgl. www.badminton2011.co.uk) – sozusagen als Generalprobe.
Spielerinnen und Spieler aus 50 Nationen erwartet
Bei den olympischen Badmintonwettbewerben 2012 werden insgesamt 172 Badmintonasse (jeweils 86 männliche und weibliche) an den Start gehen. Damit ist die Teilnehmerzahl im Vergleich zu Peking 2008 unverändert. Im Herreneinzel stehen ebenso wie im Dameneinzel 38 Startplätze zur Verfügung, im Herrendoppel genauso wie im Damendoppel und im Mixed 16. Die BWF geht davon aus, dass im kommenden Jahr Athletinnen und Athleten aus zusammen etwa 50 Nationen in London aufschlagen werden. Pro Nation dürfen höchstens neun Spielerinnen und neun Spieler antreten. Während die Auslosung in den Einzeldisziplinen maximal 64 Plätze umfasst, sind es in den Doppeldisziplinen 16.
Zur Ermittlung der für die Olympischen Spiele in London qualifizierten Damen und Herren bzw. Paarungen dienen die Weltranglisten vom 3. Mai 2012. Sie basieren auf den erzielten Ergebnissen im Zeitraum 2. Mai 2011 bis 29. April 2012 und den damit verbundenen Punktgewinnen.
Dabei bestehen große Unterschiede zwischen den verschiedenen Turnieren hinsichtlich der Anzahl der ausgelobten Zähler für die Weltranglisten. Prinzipiell gilt: Je höher eine Veranstaltung im internationalen Turniersystem eingestuft ist, umso mehr Punkte können von den Spielerinnen und Spielern verzeichnet werden. So erhält beispielsweise der Gewinner eines Grand Prix Gold-Turniers, wie die YONEX German Open Badminton Championships (28. Februar bis 4. März 2012 in Mülheim an der Ruhr) eines sind, 7.000 Punkte, während er bei einem Grand Prix-Turnier 5.000 Zähler gut geschrieben bekäme.
Auswertung der Weltranglisten vom 3. Mai 2012
In den Einzeldisziplinen stehen einer Nation bei den Olympischen Spielen 2012 drei Startplätze pro Disziplin zur Verfügung, sofern sich drei Spielerinnen bzw. Spieler aus dem jeweiligen Land unter den besten vier Athletinnen bzw. Athleten der Weltrangliste befinden. Zwei Startplätze sind sicher, wenn zwei Spielerinnen oder Spieler unter den besten 16 geführt werden. Ein Startplatz wird bewilligt, wenn eine Athletin oder ein Athlet in der Weltrangliste vom 3. Mai 2012 vertreten ist. Diese Quotierungen galten auch für Peking 2008.
In den Doppeldisziplinen gestaltet sich die Situation wie folgt: Zwei Paare dürfen an den olympischen Badmintonwettbewerben 2012 teilnehmen, wenn im BWF-Ranking vom 3. Mai nächsten Jahres zwei Paarungen zu den besten acht Duos gehören. Eine Paarung ist teilnahmeberechtigt, wenn in der entsprechenden Weltrangliste eine geführt wird. In den Doppeldisziplinen unterscheiden sich die Quotierungen somit im Vergleich zu den Olympischen Spielen 2008: Damals galten in den Doppeldisziplinen die gleichen Regelungen wie im Einzel. Grundsätzlich dürfen nur jene Athletinnen und Athleten antreten, die für ihr Land einen Startplatz erkämpft haben – es sei denn, ein Land hat mehr Startplätze erspielt als ihm zur Verfügung stehen (z.B. drei Paare). Dann kann das jeweilige Nationale Olympische Komitee (NOK) entscheiden, welche Spielerinnen und/oder Spieler teilnehmen.
In Deutschland entscheidet zudem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) über die Nominierung für London 2012. In den Doppeldisziplinen gilt dabei die Regelung: Wer sich qualifiziert hat, darf auch starten. Im Einzel hingegen muss eine Athletin oder ein Athlet zu den Top 20 der „bereinigten“ Weltrangliste zählen, um an den olympischen Badmintonwettbewerben teilnehmen zu dürfen. Die „bereinigte“ Weltrangliste ergibt sich, wenn jene Spielerinnen bzw. Spieler gestrichen werden, welche die Qualifikation zwar geschafft haben, ihre Nation damit aber das maximale Kontingent an Startplätzen überschreiten würde.
Badminton bei Olympia
Die Sportart Badminton gehört seit 1992 (Barcelona/ESP) zum offiziellen Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele. Damals wurden allerdings nur die vier Disziplinen Herreneinzel, Dameneinzel, Herrendoppel und Damendoppel ausgetragen. Das Mixed kam 1996 (Atlanta/USA) dazu. Seitdem werden in allen fünf Disziplinen Medaillen vergeben.
Bislang war der DBV bei allen Olympischen Spielen jeweils mit mehreren Aktiven vertreten. 2008 in Peking nahmen fünf deutsche Spielerinnen bzw. Spieler in drei Disziplinen an den olympischen Badmintonwettbewerben teil: Marc Zwiebler (Herreneinzel), Juliane Schenk, Huaiwen Xu (beide Dameneinzel) und das Mixed Kristof Hopp/Birgit Overzier (seit 2010 verheiratete Michels). Dabei verzeichnete der DBV durch Huaiwen Xu erstmals eine Viertelfinalteilnahme bei Olympia. Während Huaiwen Xu und Kristof Hopp inzwischen ihre Leistungssport- bzw. internationale Karriere beendet haben, möchten sich Marc Zwiebler, Juliane Schenk und Birgit Michels ein weiteres Mal für das Großereignis qualifizieren. Juliane Schenk strebt sogar bereits ihre dritte Olympiateilnahme nach 2004 (Athen) und 2008 an.
Aussichtsreichste Kandidatinnen und Kandidaten des DBV
Als aussichtsreichste Kandidatinnen und Kandidaten des DBV für einen Startplatz in London gelten im Herreneinzel Marc Zwiebler (1. BC Beuel), im Dameneinzel Juliane Schenk (SG EBT Berlin), im Herrendoppel Ingo Kindervater/Johannes Schöttler (1. BC Beuel/1. BC Bischmisheim) und Michael Fuchs/Oliver Roth (1. BC Bischmisheim/PTSV Rosenheim), im Damendoppel Sandra Marinello/Birgit Michels (1. BC Düren/1. BC Beuel) sowie im Mixed Michael Fuchs/Birgit Michels (1. BC Bischmisheim/1. BC Beuel) und Johannes Schöttler/Sandra Marinello (1. BC Bischmisheim/1. BC Düren)
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